Letzte Woche klingelte mein Telefon. Ob ich als Expertin zum Thema Ungewissheit ins Studio kommen wollte, fragte mich die Redakteurin von Deutschlandfunk Nova. Sie waren durch meine Arbeit als Coach zum Thema Kündigung und Karrierefindung auf mich aufmerksam geworden und kannten mich schon aus einem früheren Interview zum Thema „Gehen oder Bleiben“.

Ungewissheit – klar! Letztendlich hat jede meiner Klientinnen und Klienten genau diese Befürchtung im Gepäck. Der Drang etwas zu ändern ist da, aber viele wissen nicht so richtig wie und was. Dazu kommt die Tatsache, dass jeglicher Ausgang der Situation unklar ist… oder eben ungewiss.

 

Hier könnt ihr in die Sendung von Deutschlandfunk Nova zur Ungewissheit reinhören

 

Ungewissheit bestimmt unser Leben mehr als wir vielleicht wahrhaben wollen. Sie ist unsere ständige Begleiterin. Läge es da nicht nahe, sie einfach mal wahrzunehmen und eventuell sogar wertzuschätzen? Ungefähr so: „Hey Ungewissheit, da bist du ja wieder. Ich gehe jetzt zur Arbeit kommst du mit?“ (Spoiler: Die Antwort wird heißen: „Jajajajaja! Bin schon da!“)

Was bedeutet Ungewissheit eigentlich? Wikipedia schreibt: „Unter Ungewissheit versteht man […] die mangelnde Kenntnis über die künftige Entwicklung eines Umweltzustandes.“ Oder ganz einfach: Wir wissen nicht, wie etwas ausgehen wird. Und ehrlich gesagt, woher sollen wir die Kenntnis auch nehmen? Woher wissen wir, ob das Unternehmen in dem wir arbeiten morgen nicht pleite ist?

 

Wir wissen nicht, wie etwas ausgehen wird.

 

Wir mögen Fakten. Sie befriedigen unser tief verankertes Bedürfnis nach Sicherheit und schenken uns die Illusion der Kontrolle. Gewohnheiten und Routinen sind kuschelige Freunde. Wie ein Netz mit doppeltem Boden strukturieren sie unseren Alltag und geben uns das heimelige Gefühl, die Situation in der Hand zu haben.

Ungewissheit bedeutet, die Kontrolle abzugeben. Doch keine Angst, es genügen bereits kleine Schritte, um die eigene Komfortzone zu verlassen. Denn Ungewissheit gehört sowieso zum Leben dazu, uns fällt es lediglich schwer, mit ihr umzugehen. Wir machen uns Sorgen um die Zukunft, quälen uns durch schlaflose Nächte und haben Angst vor dem Morgen. Solch ein Zustand kann auf Dauer krank machen.

Der indische Mönch Gaur Gopal Das bringt diesen Zustand mit den Worten „Why worry“ auf den Punkt. Sinngemäß sagt er: „Kannst du etwas ändern? Dann mach das. Also, why worry. Kannst du nichts ändern? Ok, dann geht das nicht. Also, why worry.“ Das Video dazu gibt es hier.

Why worry?

 

Wenn du etwas tun kannst, mach das. Wenn nicht, dann bleibt dir (vorerst) leider nichts anderes übrig, als auf einen guten Ausgang zu vertrauen. Besonders für kontrollbewusste Menschen oder Personen mit Versagensangst ist das schwierig. Aber mit ein wenig Mut und Übung kann die Bekenntnis zur Ungewissheit eine Bereicherung für das eigene Leben darstellen. Wirklich sicher ist schließlich nur der Tod. Manchmal ist es gut, sich das bewusst zu machen. Sinnvoll ist es, sich mit der Situation auseinandersetzen, statt von Angst gelähmt zu sein und in Schockstarre jegliche Aktivität einzufrieren. Wer Ungewissheit vermeidet, gibt sich eher mit einer unangenehmen Situation zufrieden anstatt, diese zu verändern. Dabei ergibt ein offener Ausgang jede Menge neuer Möglichkeiten.

Dein Job ist unsicher und kann morgen gekündigt werden? Ok, ein Moment der Hilflosigkeit sei dir absolut gegönnt. Wichtig ist es jedoch, sich nicht davon erschlagen zu lassen. Wenn du bereit bist, widme dich der Situation: Was hast du für Möglichkeiten, was sind deine Werte, Prioritäten, welche Richtung wäre genau dein Ding? Möglicherweise kannst du diese Fragen noch gar nicht genau beantworten, dann mache kleine Schritte und probiere dich aus. Erfahre etwas über dich selbst, indem du dich langsam vorwagst. Wichtig ist, dass du dich nicht überforderst. Kleine, erreichbare Zwischenziele geben Selbstbewusstsein und haben einen nützlichen Effekt auf deine Selbsterkenntnis.

 

Die Kraft der kleinen Schritte

 

Wer die Ungewissheit aushält und annimmt, hat mit einem Mal eine, zwar ungewisse, aber dennoch spannende Zukunft vor sich. Wer weiß, vielleicht wird es ja gar nicht schlimmer, sondern ändert sich zum Besseren? Die Chance ist nicht zu verachten.

Aus meiner Coachingpraxis kenne ich Beispiele von Menschen, die dazu neigen, ihre krank machende und leidliche Arbeitssituation auszusitzen, anstatt den Sprung ins Ungewisse zu wagen. Haben sie es dann geschafft oder wurden plötzlich ins kalte Wasser geworfen, sind sie heilfroh, dass sich endlich etwas bewegt. Vage Zukunftssorgen und Angst vor dem ersten Schritt sind oft ungesünder als die Ungewissheit selbst.

Wie können wir den Schrecken nehmen? Zum einen hilft die Einnahme einer Metaposition. Wir gucken von außen auf die eigene Lage und entwickeln aus dieser Vogelperspektive realistische Lösungsmöglichkeiten.

Dazu hilft ein realistischer Optimismus im Sinne von „Egal, ich versuche das jetzt einfach mal…“. Auf Dauer führt diese Haltung zu mehr Selbstbewusstsein und hilft durch ihren Pragmatismus, Situationen nicht kaputt zu denken.

Um es mit den Grundsätzen des Improtheater auszudrücken, das übrigens ein herrliches Ungewissheits-Training darstellt:

Habe eine bejahende Grundhaltung und scheiter heiter!

 

Du möchtest dich deiner Ungewissheit stellen und sie als Bereicherung in dein Leben einbauen?

Du möchtest dein Potenzial besser ausschöpfen und mutiger sein?

Du brauchst einen Sparringspartner auf deinem Weg?

Dann ist ein Coaching bei Christine Kewitz eine gute Entscheidung.

 

Bild: Miguel Bruna bei Unsplash